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Genau das festliche Geschehen unterschied eine echte Kirmes von allen anderen gewöhnlichen Stadtmarkttagen oder Basars. Farbenfrohe Spiele, einmalige exotische Traditionen lockten die Besucher wie ein Magnet zur Kirmes. Und natürlich klingelte dann die Kasse der Verkäufer und Händler. Die tiefere Bedeutung der Volkskirmes ist es, das historische Gedächtnis des Volkes aufrecht zu erhalten.
Der historische und kulturelle Grundstock der Margaritinsky Kirmes in Archangelsk war das Fest des Pomoren-Neujahres am 14. September. Genau an diesem Tag startete jährlich die Archangelsker Kirmes.
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 |  | DAS NEJAHR IM POMORLAND
September war historisch derjenige Monat im Jahr, in welchem die meisten Feste gefeiert wurden. Dies war die Zeit, die Feldarbeiten im ganzen Pomorland zu beenden. Auch die Seefischer und -jäger kamen um diese Zeit aus dem Weißen Meer nach Hause zurück und der Saisonhandel fing an. Als Peter der Große im Zuge seiner Reformen, welche Russland an Europa annähern sollten, den Jahreswechsel von dem 14. September auf den 1. Januar verschob, weigerten sich die Pomoren, welche allgemein negativ den Reformen von Peter des Großen gegenüberstanden, die Zeit nach dem neumodischen Kalender zu rechnen. Einige besonders traditionsgetreue Pomoren feiern Silvester bis heute im September. Von allen Völkern Russlands sind die Pomoren die einzigen, welche den historischen Jahreswechsel mit der Margaritinsky Kirmes und anderen Festlichkeiten feiern. Deswegen wird dieses Fest auch das Neujahr im Pomorland genannt. 2006 wurde von den Pomoren bereits das Jahr 7515 gefeiert!
Übrigens, die russisch-orthodoxe Kirche hatte die Kalenderreform Peters des Großen bis heute nicht anerkannt und der Jahreswechsel wird in allen Kirchenbüchern und Kalendern als der 14. September gekennzeichnet. |
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 |  | KIRMES
Interessant ist die Tatsache, dass alle Versuche, die traditionelle Margaritinsky Kirmes in den 90er Jahren des XX. Jahrhunderts in Archangelsk wieder zu beleben, gescheitert sind. Die Organisatoren wussten nicht, dass die «Hauptkirmes» des Pomorlandes ohne den traditionell damit verbundenen Pomoren-Jahreswechsel undenkbar ist. Also blieb Archangelsk eine «Stadt ohne Kirmes». Doch groß war der Wunsch der Pomoren, die ihnen weggenommenen Handelstraditionen zurück zu erlangen. Also befragte man vor sechs Jahren die Ältesten von allen Pomoren und stellte auf deren Rat den traditionellen Jahreswechsel wieder her – in Form von einem Erntedankfest, dem Fest des Handels und der Wohltätigkeit, das historische Herz der Pomoren-Kirmes. Wenn man sich bildlich ausdrücken möchte, so kann man sagen, dass für die Wiederbelebung der Margaritinsky Kirmes zuerst das Herz der Kirmes wieder zum schlagen gebracht werden musste, sonst blieb die Kirmes tot.
Deswegen feierte die Hauptkirmes der Region Archangelsk im Jahre 2006 ihr fünfjähriges Beastehen, der historisch damit verbundene Pomoren-Jahreswechsel jedoch wurde seit sechs Jahren wiederbelebt. |
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 |  | ARCHANGELSK IST DIE HEIMAT DER FEUERWERKE
Wenn Sie je gefragt werden sollten, welche russische Stadt Heimat der russischen Silvester-Feuerwerke ist, so können Sie mit Fug und Recht mit «Archangelsk» antworten. Ja, nicht Moskau und auch nicht St. Petersburg ist es gewesen, wo zum Silvester zum ersten Mal Feuerwerke und andere «Feuerspiele» in den nächtlichen Himmel geschossen wurden, sondern Archangelsk! Genau hier feierte Peter der Große im Jahre 1693 das Neujahr und ließ Raketen und Feuerkörper in die Höhe steigen.
Natürlich kann man als das Gegenargument anführen, dass Peter der Große Archangelsk alle drei Male im Sommer während der Sommernavigation besucht hatte. Aber hier muss man die historische Tatsache beachten, dass der Jahreswechsel 1693 noch nach dem alten Kalender gefeiert wurde, und zwar am 14. September. Genau dann besuchte der junge Zar Archangelsk zum ersten Mal.
Der Akademiker der russischen Akademie der Wissenschaften Alexander Morosow schrieb darüber: «In Archangelsk feierte Peter I. das Neue Jahr, welches damals am 14. September gefeiert wurde. Es gab einen festlichen Gottesdienst und Ehrensalve aus Kanonen und Kleinwaffen, von der Yacht und von den ausländischen Schiffen». |
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 |  | FEUERSPIELE UND FEUERKÖRPER
Es ist interessant zu erfahren, dass während der Margaritinsky Kirmes, welche in Archangelsk traditionell im September zum Jahreswechsel veranstaltet wurde, schoss Peter I., wie die historische Quelle erzählt, «nach der ausländischen Sitte Feuerspiele und Feuerkörper von der Englischen Brücke» ab. Die in der Quelle erwähnte Englische Brücke war eines der insgesamt drei Anlegeplätze für die Schiffe, welche direkt am Gostiny Dwor (dt. «der Kaufhof») am Ufer der Nord-Dwina. Der Englische Anlegeplatz war der nördlichste von den drei und befand sich ungefähr dort, wo heute das Hotel «Pur-Nawolok» steht. Der Anlegeplatz stellte eine breite Holzplattform dar, welche auf Pfosten aus Lerchenholz stand und einige Dutzend Meter in den Fluss hinein ragte. Bemerkenswert ist, dass dieser Anlegeplatz von den englischen Kaufleuten noch vor der Gründung von Archangelsk Mitte des XVI. Jahrhunderts errichtet worden ist. |
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 |  | FEUERWERK ÜBER DER NORD-DWINA
Es ist unschwer, sich das ungewöhnliche Bild vorzustellen – auf dem hohen Englischen Anlegeplatz steht der junge Zar Peter und versucht, im Licht der Glimmerlaternen und der Fackeln das von den Hamburger Kaufleuten geschenkte Feuerspiel anzuzünden, welches ein in Europa modischer Feuerwerkskörper darstellt. Endlich gelingt ihm das, und das erste in Russland Silvesterfeuerwerk schießt in den dunklen Septemberhimmel. Die auf dem Ufer in Scharen stehenden und in den Booten sitzenden Einwohner brechen im fröhlichen Geschrei aus. Ein lautes Dröhnen erschüttert die Luft, und das erste russische Feuerwerk sprüht Funken, qualmt und knistert hoch über den weißen Mauern des Kaufhofes, über den Schiffsmasten der ausländischen Schiffe und über den Anlegeplätzen. Keine russische Stadt hatte so ein Silvesterfest je gefeiert, wie Archangelsk im Jahre 1693...
Möglicherweise war es der «ausländische Geist», welcher in Archangelsk herrschte, den den jungen Peter I. so beeindruckt hatte. Es ist durchaus möglich, dass unter diesem Eindruck sechs Jahre später der Erlass Peters erschienen ist, welcher in Russland den europäischen Kalender einführte und befahl, am Silvester überall Feuerwerke abzuschießen. |
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