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Pomorland Tourismus in der Region Archangelsk
 
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Die Spinnrocken des Nordens, Exposition im Kunstmuseum der Stadt Archangelsk.
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GEWERBEN DES POMORLANDES

Es ist eine irrtümlich Meinung verbreitet, dass die Pomoren außer des Fischfangs und der Seejagd keine weiteren Gewerben mehr getrieben hatten, deswegen sollen sie sich auch als «Pomoren» (was auf Deutsch als «Meeresküstenbewohner» übersetzt werden könnte) bezeichnet haben. Dabei entbehrt so eine Meinung jeglicher Grundlage. Der europäische Norden war eines der wenigen Teile Russlands, wo Salz gewonnen wurde. So hatte beispielsweise allein das Solovetsky Kloster 50 Salinen, wo bis zu 800 fest angestellte und ca. 300 Saisonarbeiter beschäftigt waren. Die Salzsieder des Dwinalandes und Wologdas produzierten bis zu 800 – 1000 Pud Salz jährlich (ein russischer Pud ist gleich 16 Kilo) und versorgten über 200 Jahre lang verschiedene Teile des Moskauer Reiches mit Salz.

Eines der ältesten Gewerbe des Pomorlandes war das Teerbrennen. Der Teer wurde für die Beschichtung von Schuhen, Schiern, Rädern, im Schiffsbau, in der Produktion der Schiffsseile sowie in dem Gerberei-Gewerbe genutzt. Es wurden strenge Qualitätsanforderungen an dieses Produkt gestellt.

Eine überaus wichtige Rolle in der Wirtschatft des Sawolotschje spielte die Produktion von Glimmer, welche sich im XV. Jahrhundert besonders intensiv entwickelt hatte. Glimmer wurde für die Fenster und für die Laternen benutzt. Da die Zahl der Klöster und Kirchen im norden Russlands stets wuchs, erhöhte sich der Bedarf nach den Prozessionslaternen, welche bei den Kirchenprozessionen benutzt wurden. Auch die Pferdewagen der Zaren und der reichen Würdeträger wurden mit Glimmerfenstern versehen. Der russische Glimmer galt damals als der beste auf der Welt und war in Westeuropa und in Asien unter dem Namen «Muskovit» bekannt.

Sehr verbreitet war im Pomorland auch so eine ungewöhnliche Art des Gewerbes, wie das Perlentauchen. Perlenmuscheln fand man in den Flussläufen der kleinen Flüsse Solsa und Sjusma sowie an der Warsuga und Ponoj und in der Gegend von Koletsch. Von der Ausbeute der Perlentaucher wurde ein Zehntel der besten Perlen für den Zaren abgezogen. Diese Perlen wurden zuerst zur Halbinsel Kola und anschließend nach Moskau verschickt. Die Perlen vom Fluss Warsuga kamen in den Staatsschatz des Patriarchen. Genau hier, im Pomorland, entstand diese besondere Vorliebe aller Russen für die Verzierung der Kleidung (der Frauenkleider, Männerkaftans, Kopfbedeckungen und Schuhe) mit Perlen, welche sich über alle Klassen und Schichten hinweg ausbreitete.

Das Pomorland versorgte die inneren Teil des russischen Staates mit den Produkten seiner Gewerben, vor allem des Fischfanges, besonders von Lachs, aber auch mit Salz, mit Fett und Fellen der Seetiere sowie mit Pelzen. Im Pomorland konzentrierte sich fast der gesamte Außenhandel des Reiches. Die Verbindung zwischen Moskau und Sibirien wurde nur über das Pomorland zustande gebracht. Seit Menschengedenken lebten die Pomoren von dem Fisch und von der Jagd. Auf den Küsten und auf den Ufern der Flüsse waren Ortedes Fischfangs, welche der gesamten Bevölkerung des Pomorlandes Lebensgrundlage lieferten. Jede Lachsgrube, jeder Ort des Fischfangs oder der Jagd auf der See hatte einen Grundbesitzer, welcher seine Besitztümer verkaufen, komplett oder teilweise verpfänden, vermieten oder an seine Nachkommen oder ein Kloster vererben konnte.

KUNSTHANDWERKE

Glücksvogel aus Reißspan
GLÜCKSVOGEL AUS REIßSPAN

Ein Vogel symbolisiert seit Menschengedenken das Bindeglied zwischen Himmel und Erde, dem Menschen und dem Gott. Ein Vogel wird auch mit der menschlichen Seele in Verbindung gebracht.

In der vorchristlichen Mythologie wird eine «Utitza», eine Ente erwähnt. Der Legende nach war es eine Ente, welche die Erde aus den Untiefen des Urozeans gezogen hatte und die Erdoberfläche zu erschaffen half.

Der fliegende Vogel ähnelt der Sonne – das heidnische Symbol der Lebensenergie. Christliche Mythologie besagt, dass eine Taube den Heiligen Geist symbolisiert. Eine Taube erschien der Heiligen Jungfrau bei der Verkündigung, eine Taube entstieg dem Himmel bei der Taufe Christi.

Aus diesem Grund nahm der Vogel aus Reißspan, welcher bereits vor mehr als dreihundert Jahren in Russland geschnitzt wurde, die Umrisse einer Taube an.

Vermutlich war der erste Vogel aus Reißspan ein Nebenprodukt des Schiffsbaus. Für die Herstellung dieser Vögel wird nur die Mastkiefer verwendet, und zwar nur der bestimmte Teil des Stammes, drei Meter höher als die Wurzel, wo keine Zweige mehr wachsen. Archangelsk und Woronesch tragen einen uralten Streit untereinander aus, wo es darum geht, welche dieser beiden Städte als die Wiege der russischen Flotte bezeichnet werden soll. Für Archangelsk spricht die Tatsache, dass das Schiff «Der heilige Paul» in Archangelsk sechs Jahre früher von dem Stapel kam als «Die Vorsehung Gottes» in Woronesch. Dieser Zeitunterschied ist vielleicht auf den ersten Blick nicht so groß. Doch für den tüchtigen Peter den Großen war das Grund genug, sich die Ausgaben für die Ausbildung der Schiffsbauer aus Woronesch in Holland zu sparen, indem er einige Schiffbauer aus Archangelsk nach Woronesch schickte, welche eine holländische Ausbildung zu dem Zeitpunkt bereits genossen hatten. Und das erste, was die umgesiedelten Pomoren in der Fremde taten, war das Aufhängen des Schutzvogels aus Reißspan in ihren neuen Häusern. Genau sie waren es, die das Geheimnis der Herstellung dieser wunderschönen Talismane den Einwohnern von Woronesch beibrachten.

Man glaubt, dass der hölzerne Vogel das Glück ins Haus bringt. Früher hängte man ihn wie ein Familientotem immer in der «roten Ecke» der hölzernen Wohnstube auf, wo auch der Esstisch stand. Abends bei der Familienmahlzeit stellte man den Samowar auf den Tisch, und der geschnitzte Vogel fing an, sich gemächlich um eigene Achse zu drehen. Langsam machte er seine Kreise über dem Tisch und schaute in alle Richtungen des Hauses, wie in der Absicht, alle Ecken zu überprüfen, ob sich alles in gebührender Ordnung befindet und ob die Familienharmonie nicht durch irgendwas gestört ist.

Die orthodoxe Kirche des Russischen Nordens begrüßt den hölzernen Vogel auch. Er wird in der Kirche über dem «Zarentor» (die Tür in der Ikonenwand, welche in jeder orthodoxen Kirche den Altar von dem übrigen Kirchenraum trennt) aufgehängt, da der Körper des Vogels die Form eines Kreuzes hat, weil sein Kopf und der Körper aus einem Stück Holz, die Flügel aus einem anderen geschnitzt werden.

Der wichtigste Moment bei der Herstellung des Glücksvogels ist das Spalten der Stücke Holz in die feinen Reißspäne. Je feiner die Späne, umso schmucker wird der Vogel. Zuerst werden zwei Stücke Holz kreuzweise miteinander verbunden, dann werden die «Federn» auseinander genommen. Die immer vorhandene schöne Biegung der Flügel und des Schwanzes des hölzernen Vogels wird durch die natürliche Spannung des Holzes verursacht. Der fertige Vogel wird traditionell weder angemalt noch lackiert, weil nur das «lebendige», unbehandelte Holz auf den Menschen positive Wirkung hat. Mit der Zeit bekommt das unbehandelte Holz eine schöne bronzene Farbe. Der mystische Vogel der Nordbewohner lässt sich in jedem Haus anbringen und passt zu jeder Einrichtungsart. Wenn er neben einer Lichtquelle hängt, so wirft er durch seine feinen Spanfedern schöne Schatten.

Heutzutage wird der Glücksvogel aus dem Kiefer-Reißspan angefertigt. Belebende Energie des reinen Kiefernholzes, die Wärme der Hände des Meisters und seine gute Laune werden natürlich auf die Menschen übertragen, welche sich den Zaubervogel ins Haus holen.

Jetzt braucht man nicht mehr, den Glücksvogel wie in einem Märchen zu fangen – es reicht aus, sie bei dem Meister zu holen, ins Haus zubringen und aufzuhängen.
Tujes aus der Birkenrinde
TUJES AUS DER BIRKENRINDE

Erzeugnisse aus der Birkenrinde sind seit dem Altertum bekannt. Die Herstellung dieser Erzeugnisse gilt als eines der ältesten menschlichen Handwerke und ist in Russland zu Hause. Man nimmt dafür die oberste Schicht der Birkenrinde, welche seinerseits aus einigen glatten halbtransparenten weißen, rötlichen und gelblichen Schichten besteht. Besondere Materialeigenschaften machen die Verwendung der Birkenrinde so vielfältig: sie ist plastisch, leicht, isoliert Keime, Wärme und Feuchtigkeit und ist extrem einfach zu beschaffen und zu verarbeiten. Birkenrinde wurde beim Häuserbau für den Schutz vor Kälte, Fäulnis und Feuchtigkeit genutzt. Mit Birkenrinde wurden auch Boote beschlagen, daraus machte man Schwimmer und anderes Fischen-Zubehör. Aus Birkenrinde wurden Schuhe, Spielzeug, Geschirr und vieles mehr gemacht. Aus trockener Birkenrinde wird bis heute Teer gewonnen. Die ältesten schriftlichen Denkmäler der slawischen Kultur waren auch Inschriften auf der Birkenrinde. Die Verarbeitung der Birkenrinde ist im Russischen Norden zu einer Kunst geworden.

Tujes ist das traditionelle nordrussische Gefäß zylindrischer Form, gemacht aus Birkenrinde. Zwei oder drei Schichten Birkenrinde halten jedes Lebensmittel, welches im Tujes aufbewahrt wird, egal ob Pilze, Beeren oder Fisch, kalt. Früher brachte man in der Sommerzeit im Tujes Milch oder Kwas (russisches Brottrunk) den Heuschlägern, und diese blieben kühl auch bei der stärksten Hitze. Im Tujes legte man Gurken ein und salzte Pilze. Man trug mit dem Tujes Wasser von dem Brunnen, bewahrte darin Waldbeeren (Cranberry, Moltebeere) sowie Honig oder Schmand auf. Das Birkengeschirr ist stabil und steril – nichts fault, schimmelt oder sauert darin. Die ältesten der Tujes-Gefäße, welche mehr als ein halbes Jahrhundert alt sind, haben die Schönheit und die Farbe des Elfenbeins.
Beinschnitzerei von Cholmogory
BEINSCHNITZEREI VON CHOLMOGORY

Mehr als vierhundert Jahre lang ist die Kunst der Beinschnitzerei von Cholmogory schon bekannt. Die ersten Erwähnungen davon in den Chroniken werden mit dem XVII. Jahrhundert datiert. Die Blütezeit erlebte diese Kunst in der Regierungszeit Peters des Großen. In dieser Zeit wurden die schönsten Schnitzereiarbeiten geschaffen, welche bis heute in technischer und künstlerischer Hinsicht mustergültig sind. Im XVIII. Jahrhundert wurde die Beinschnitzerei auf breiter Basis betrieben. Der Name des berühmten russischen Bildhauers Fedot Schubin wurde zuerst unter den reichen Menschen St. Petersburgs genau durch seine kunstvolle Bein- und Perlmuttschnitzerarbeiten bekannt. Das von Schubin Begonnene wurde von Ossip Dudin vollendet, welcher besonders kunstvolle Schachspiele schnitzte. Diese wurden sogar häufig für den russischen Thronfolger eingekauft. Für die Beinschnitzerei des XVIII. –XIX. Jahrhunderte ist die Technik des Durchschnitzens typisch. In dieser Technik sind besonders wertvolle Gegenstände gemacht, welche im Museum von Cholmogory ausgestellt werden, darunter auch ein Zierteller, welche dem Meister Bobrezow entstammt und dem Großfürsten Wladimir Alexandrowitsch bei seinem Besuch in Cholmogory 1885 geschenkt wurde. In der ersten Hälfte des vergangenen Jahrhunderts lernten die Cholmogorer Meister die Technik der Beingravur. Die Beinschnitzerei der 90er Jahre des XX. Jahrhunderts zeichnet sich durch wachsende Individualität der Meister aus. Die bekanntesten Meister des heutigen Cholmogory sind G. Ossipow und W. Khabarow, ihre Arbeiten werden in ganz Russland und im Ausland ausgestellt. Die Meister der Beinschnitzerei-Fabrik in Lomonossowo stellen sowohl Massenware für den Verkauf als auch Kunstwerke aus Walross-, Mammut- und Rinderknochen her. Das Gewerbe bleibt durch den ständigen Zufluss der jungen Meister immer jung und sucht nach neuen künstlerischen Wegen.
TRADITIONELLES TONSPIELZEUG
 
Tonspielzeug aus Kargopol
TONSPIELZEUG AUS KARGOPOL

Im tiefen Russischen Norden unweit der Kleinstadt Kargopol lebte einmal in einem fast vollständig entvölkerten Dorf Grinjowo eine alte Meisterin des Tonspielzeugs namens Uljana Babkina. Das Dorf wurde immer menschenleerer, und die Menschen dort hörten auf, das Spielzeug aus Ton zu formen. Diese Kunst wäre auch ausgestorben, wenn die Großmutter Uljana aufgehört hätte, mit einer erstaunlichen Hartnäckigkeit ihr Spielzeug aus Ton immer weiter zu formen und das jedem beizubringen, der Lust hatte, bei ihr zu lernen. So schaffte es die alte Spielzeugmacherin, einen Ersatz für sich groß zu ziehen, bevor sie selbst gehen musste. Die Spielzeugmacher siedelten sich in den umliegenden Dörfern und in Kargopol selbst ein. Dank ihnen und ihrer Lehrerin lebt diese alte Kunst weiter.

Zum Formen nimmt man den roten Ton. Die Figuren macht man ein wenig grobgliedrig, stämmig, kurzbeinig, die Schultern mit dem Nacken verschmolzen. Die Tiere werden dabei wie Menschen dargestellt. Sie machen dasselbe wie die Menschen, zum Beispiel tragen Bären, Ziegenböcke oder Lämmer Geschirr, sie spielen Musikinstrumente oder rauchen. Die fertig geformten Figuren werden dann für einige Wochen getrocknet und dann mit weißer Farbe bepinselt. Die farbige Bemalung ist denkbar einfach – Streifen, Striche, Tupfen oder Vierecke sind die typischen Muster. Die typischen Farben sind hellblau, backsteinrot, grün, schwarz und ocker. Selten wird auch goldene und silberne Farbe benutzt.
TRADITIONELLE HOLZBEMALUNG
 
Permogorsky Art
DIE PERMOGORSKY ART

Unter der Permogorsky Art der Holzbemalung werden die Arbeiten der Meister aus der Gegend um Permogorje zusammengefasst. Das Hauptmuster dieser Bemalungsart ist floral. Es werden biegsame Zweige gemalt, welche etwas gebogene dreifache spitze Blätter und einer Tulpe ähnliche Blüten tragen. Dazwischen malt man kleine runde Büsche, Sirin (der mythische Halbvogel-Halbfrau), schmucke Märchenvögel. Fast auf allen Gegenständen, welche auf Permogorsky Art des XIX. Jahrhunderts bemalt sind, findet man neben floralen Mustern auch verschiedene Szenen aus dem Bauernleben. In der Bemalung dominieren die weiße Hintergrundfarbe und die rote Hauptfarbe der Muster. Gelb und grün spielt eher die Nebenrolle. Große Bedeutung hat die schwarze Umrandung der Muster. Diese wird relativ flüssig und frei mit einer Gänsefeder auf den weißen Hintergrund aufgetragen und dann mit Farbe gefüllt.

Die Auswahl an Alltagsgegenständen, welche mit Bemalung verziert wurden, ist sehr groß: Geschirr aus Holz und Tujes-Gefässe aus Birkenrinde, Kinderwiegen, Truhen, Bettkopfteile. Aber am meisten wurden doch die Spinnrocken bemalt. Für jede Bäuerin war das bemalte Spinnrocken nicht nur der Gebrauchsegenstand, welcher sie ihr Leben lang begleitete, sondern auch oft eine schöne Erinnerung an die Jugend, denn der Hochzeitsbrauch war immer mit dem Spinnrocken verbunden.
Die Boretzky Art
DIE BORETZKY ART

Die Bemalung leuchtete mit dem Weiß des Hintergrunds, auf welchem das flammende Rot der floralen Muster glänzte. Besondere Pracht und Schönheit verlieh dieser Art der Holzbemalung die Verzierung der Muster mit Blattgold. Der Bildaufbau teilte den Spinnrocken in drei Teile. Oben wurden goldene Fenster mit Blumen gemalt, die Mitte schmückte ein Märchenstrauch mit Zaubervögeln und unten sah man Menschen in einem Pferdewagen.
Die Rakulsky Art
DIE RAKULSKY ART

Diese Art der Holzbemalung gleicht in keiner Weise der Permogorsky oder der Boretzky Art. In der Farbpalette spielen Ocker und Schwarz die Hauptrolle, welche am häufigsten von tiefem Grün und bräunlichem Rot begleitet werden. Die Ornamente sind relativ groß und bestehen zum größten Teil aus dekorativen Blättern. Nicht nur die Umrandung, sondern auch alle kleinen Details sind schwarz angemalt. Indem die Volksmeister mit ihrer schönen Bemalung die Alltagsgegenstände verzierten, verwandelten sie diese in Kunstwerke, welche heute noch das Auge erfreuen.
Die Mesener Art
DIE MESENER ART

Die Art der Holzbemalung aus Mesen ist auch den anderen Arten unähnlich. Sie ist in der Siedlung Paloschelje am Ufer des Flusses Mesen Ende des XIX. Jahrhunderts entstanden. Es wurden verschiedene Gegenstände bemalt, aber besonders bekannt ist die Bemalung der Spinnrocken. In den Mustern werden die Urvorstellungen über die Welt der alten Menschen deutlich, sie wurzelt tief in der Geschichte. Es sind Höhlenmalereien an der Küste des Weißen Meeres gefunden worden, welche eine Ähnlichkeit mit den Mustern der Mesener Art der Holzbemalung aufweisen. Eine andere Besonderheit dieser Art ist auch, dass sie ausschließlich von Männern gemacht worden ist.

Die Bemalung ist farblich ziemlich streng gehalten – die rote Mennige und der schwarze Ruß bestimmt die Fläche. Die Muster wurden als Tupfer und Streifen aufgetragen und schwarz umrandet. Die fertig bemalte Oberfläche wurde mit Ölfirnis beschichtet und bekam dadurch eine goldene Schattierung. Obwohl die Muster auf den ersten Blick sehr einfach erscheinen, sind die doch sehr interessant. Geometrische Figuren, welche Elemente wie etwa Erde, Sonne oder Wasser auf eine sehr alte archaische Weise symbolisieren, werden neben Tierfiguren der Pferde, Hirsche oder Vögel platziert. Die Nebeneinanderstellung der Muster dieser Art ist eine sehr alte Art der Bemalung. Man bildet auch Früchte, Samen oder Tannenzapfen in einem Rombus eingeschlossen ab. Dies sind frühere Symbole der Fruchtbarkeit, welche viele Völker der Welt kennen. Runde und kreuzende Zeichen sind alte Schutzzeichen und symbolisieren Feuer. Vögel und Tiere verkörpern auch magische Kräfte, zum Beispiel ein Hirsch bringt Glück, Freude und ist mit der Verehrung des altslawischen Donnergottes und des christlichen Heiligen Propheten Elias verbunden. Das Pferd wird mit der Sonne in Verbindung gebracht. Alte Slawen glaubten, die Sonne wird jeden Morgen von einem Pferd auf den Himmel hoch getragen. Die Gestalt eines Vogels spielt in der Volkskunst eine besondere Rolle. Besonders oft wurden der Schwan und die Ente abgebildet. Man verband mit der Ente die Vorstellung davon, dass die Sonne von einer Ente jeden Abend in die Unterwelt gebracht wird, und somit wird die Ordnung auf der Welt aufrechterhalten. Der Schwan verkörperte für die alten Slawen die Verbindung mit den Elementen des Wassers und des Himmels und sollte reiche Ernte, Licht und Reichtum mit sich bringen.
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