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Das Verwaltungszentrum des Bezirkes, die Siedlung Cholomogory, liegt am Ufer der Nord-Dwina, 75 km südöstlich von Archangelsk entfernt. Der Name Cholmogory wird in den Chroniken zum ersten Mal im XVII. Jahrhundert gebraucht. Der Legende nach war an diesem Ort die wichtigste Siedlung der Tschud gelegen und später eine Handelskolonie der Skandinaven, welche zum Handeln hierher kamen.
Seit seiner Gründung war Cholmogory ein wichtiges politisches und Wirtschaftszentrum des Fürstentums Nowgorod. Es spielte die Rolle eines Stützpunktes der Nowgoroder in Sawolotschje (der altrussische Name für den Norden). Da Cholmogory eine günstige strategische Lage hatte – es lag auf dem Weg aus Nowgorod zur Mündung der Dwina – bauten die Nowgoroder hier Kirchen und Siedlungen, eine hölzerne Burg mit Türmen, gelegen auf einem künstlichen Hügel, welche heute noch als Gorodische (dt. die ursprüngliche Stadt) bekannt ist. Der Legende nach wurde diese Burg Ende des XV. Jahrhunderts zerstört, nachdem die Nowgoroder Republik ihren Fall erlebte. 1478 während der Regierungszeit Iwans des III. wurde die Herrschaft über alle Besitztümer von Nowgorod und das gesamte Dwinaland von Moskau übernommen.
Im XV. – XVI. Jahrhundert wurde Cholmogory zu einem großen Handelshafen, einem wichtigen Verwaltungs-, Kultur- und Religionszentrum, über welches das gesamte Land seine Außenhandelskontakte abwickelte. Der bequeme Wasserweg die Nord-Dwina hinunter, welcher zum Weißen Meer führte, gab dem Moskauer Reich die Möglichkeit, politische und wirtschaftliche Beziehungen nach Westeuropa zu pflegen. In der Hafennähe errichtete man einen Kaufhof, viele Kaufleute bauten dort ihre Häuser, viele Geschäfte und die zahlreichen Podworje (Handelsvertretungen) der Klöster befanden sich dort. Auch die Regierungsgebäude befanden sich in der Nähe des Hafens. Unweit der Troitzky Kirche standen das Zollgebäude, das Fremdenhaus, wohnten zahlreiche Schiffsbauer und Seeleute. Hier empfing die Dwina-Verwaltung die englischen Kaufleute, welche vom Zaren Iwan dem Schrecklichen eine Erlaubnis erhielten, abgabenfrei zu handeln und hier ihre Häuser zu bauen. Dieses Ereignis hatte wichtige folgen für den gesamten russischen Staat und auch für die Staaten, welche entlang des Nördlichen Handelweges lagen. Es gab Cholmogory einen entscheidenden Entwicklungsimpuls.
Bereits 1557 hatte die in London gegründete «Moscow Trading Company» den Handel mit Russland angefangen, und Cholmogory wurden die einzige russische Stadt, über welche die Waren aus und in das Ausland transportiert wurden. Die damalige Stadt Cholmogory hatte sich entlang der Nord-Dwina ausgestreckt und bestand aus fünf großen Quartalen (Possad). 1557 wurde in Cholmogory die erste englische Manufaktur für die Knüpfung der Seile gegründet, welche im Grunde die erste Fabrik dieser Art in Russland war. Unweit davon bildete sich die erste und größte in Russland «Nemezkaja Sloboda» (dt. «Ausländerviertel»).
Doch nach der Gründung Archangelsks fiel die Bedeutung von Cholmogory zusehends. 1707 bekam Cholmogory den Status des Possad (dt. Viertel), welches zu Archangelsk zählte, und 1784 wurde Cholmogory einer Bezirksstadt der Region Archangelsk.
Cholmogory sind als das Zentrum eines besonderen Kunsthandwerks bekannt – der künstlerischen Beinschitzerei. Die Tradition dieses Kunsthandwerkes geht auf das XVII. Jahrundert zurück und wird für die Nachwelt bewahrt und weiter entwickelt.
Die Geschichte von Cholmogory ist eng mit dem Namen Peters I. verbunden, der hier drei Mal zu Besuch gewesen ist. Das Cholmogorer Land war Geburtsort des Universalgelehrten und des Gründers der ersten russischen Universität Mikhailo Lomonossow, des Entdeckers F. Popow, welcher 1648 als Erster die Beringstraße erreicht hatte, aber auch des Bildhauers Fedot Schubin und des Dichters Nikolai Rubzow.
Dank seiner schönen Lage und der interessanten Geschichte ist der Bezirk Cholmogory eine aussichtsreiche Route für die Entwicklung des Wallfahrts-, Öko-, Kultur- sowie des Abenteuertourismus. Ein besonderes Objekt des Eventtourismus sind die traditionell jährlich organisierten Lomonossow-Lesetage in Cholmogory und die literarischen Lesungen in Gedenken an den Dichter Nikolai Rubzow in Jemezk. Tausende Wallfahrer besuchen jährlich das bekannte Antoniewo-Ssijski-Kloster, um seine Heiligtümer zu besuchen und die Reliquien des hl. Antonij von Ssija zu sehen.
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