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Große archäologische Untersuchungen und Grabungen entlang der Flüsse Swid und Onega beweisen, dass die Gegend schon lange vor der Stadtgründung besiedelt war. Die ältesten menschlichen Siedlungen hier werden mit dem IV. Jahrtausend vor Chr., vom Neolithikum datiert. Es sind durch die Grabungen viele Gebrauchsgegenstände und Waffenüberreste gefunden worden: Tonscherben, Fischhaken aus Knochen und Horn, Harpunen, Pfeilspitzen, Beile und anderes mehr. Außerdem fand man Überreste der Hausfeuer und der Gräber. Diese zahlreichen Funde erlauben den Archäologen die Aussage, dass die neolithische Kultur, welche um die Seen Latsche, Kenosero, Wosche und im oberen Flusslauf der Onega existierte, sich von den Kulturen der anderen umliegenden Gegenden, wie etwa der vom Weißen Meer, Karelien, am Fluss Petschora unterschied. Diese Kultur, welche sich zwischen 4000 und 3000 von Chr. entwickelte, bekam den Namen der Kargopoler Kultur.
Kargopol gehört zu den ältesten russischen Städten überhaupt. Die erste Erwähnung der Stadt ist mit 1146 datiert und beschreibt den Feldzug des altrussischen Fürsten Wjatscheslaw gegen die Stämme der Tschud. Die Stadt liegt 420 km südwestlich von Archangelsk am linken Ufer des Flusses Onega mitten auf der Verkehrsroute Finnland - Karelien – Archangelsk. Gegründet wurde die Siedlung, wo heute Kargopol liegt, von den slawischen Stämmen der Krivici. Sie gehörte zum altrussischen Fürstentum Nowgorod. Dank der Flussanbindung an den Verkehr und der günstigen Lage entwickelte sich die Stadt rasch und wurde im XVI. Jahrhundert zum wichtigsten Handelszentrum auf dem Weg aus dem alten Rus in das Land der Pomoren. Durch den Ukas (Erlass) des Zaren Iwans des Schrecklichen bekam Kargopol breite Autonomie und wurde vom damaligen Botschafter der englischen Königin Fletcher als zu den 14 wichtigsten russischen Städten gezählt. Heute wird der Ruhm und Größe der Vergangenheit der Stadt vom Dom zur Geburt Christi verkörpert – einem schönen Denkmal der russischen Weißmauer-Baukunst des XVI. Jahrhundert.
Die ersten Anzeichen des Verfalls Kargopols wurden sichtbar, als Archangelsk 1584 gegründet wurde. 1613 wurde Kargopol vollständig von den polnisch-litauischen Eroberern verbrannt, und der Bau von St. Petersburg 1703 brachte die Stadt um den restlichen Ruhm und Bedeutung den Handel. Trotzdem blieb Kargopol bis ins XVIII. Jahrhundert hinein eines der wichtigsten Salzhandelszentren und nahm nach dem Jahresumsatz den 7. Platz in ganz Russland ein.
Die jahrhundertealte Geschichte Kargopols ist reich an Ereignissen. Auf der Seite Nowgorods nahm die Stadt an dem Kampf gegen Moskau um die nördlichen Länder teil. Die Kargopoler Einheit kämpfte ehrenhaft in der berühmten Schlacht auf dem Kulikow Feld, wo Russland unter der Anführung Dmitri Donskojs seine erste entscheidende Schlacht gegen die Goldene Horde gewonnen hatte. Im frühen XVII. Jahrhundert wehrte Kargopol mehrfach polnisch-litauische Angriffe ab, ein lebendes Zeugnis davon sind Überreste des Stadtwalls, der Kanonen und Kanonenkugeln.
In Kargopol fristeten ihre Verbannungszeit der bekannte orthodoxe Kirchenvater Daniil Satotschnik und der Fürst Iwan Schujskij, hier wurde auch der Anführer des bedeutendsten russischen Bauernaufstandes Iwan Bolotnikow hingerichtet.
Das Kargopoler Land brachte den Gründer der ersten russischen Ölgewinnungsgesellschaft F. Prjadunow und den ersten Verwalter der russischen Kolonien in Nordamerika A. Baranow hervor.
Kargopol ist eines der wenigen alten russischen Städten, welche die ursprüngliche Stadtplanung, die Form der Stadtmauern und der Gebäudeplatzierung der historischen Innenstadt durch die Zeit bewahrt hat. Das Stadtpanorama wird von den Gebäuden im Stil der russischen Weißmauer-Baukunst des XVI. Jahrhunderts beherrscht. Dieser Stil war durch seine für die altrussische Architektur bisher unbekannte Ausschmückung der Hausfassaden innovativ. Die Steinornamente von Kargopol wurden in ihrer Schönheit sogar den Palästen von Florenz gleichgestellt.
Das bedeutendste Architekturensemble der Stadt ist das Ensemble auf dem Domplatz. In der Mitte des Platzes erhebt sich der Glockenturm in die Höhe, welche die ganze Stadt dominiert. Der Platz wird von alten Gebäuden und ehemaligen Geschäften der reichen Kaufleute umsäumt, und vom Osten grenzt der historische Kaufhof des XVIII. Jahrhunderts an den Domplatz.
Das weitere interessante architektonische Ensemble befindet sich auf dem alten Marktplatz, wo drei Kirchen aus dem XVII.-XVIII. Jahrhundert erhalten geblieben sind.
Besonders historisch wertvoll sind die alten Kirchen und alte Häuser in den Dörfern um Kargopol herum, darunter das Kirchenensemble auf dem Friedhof des Dorfes Ljadino, wovon in ganz Russland nur vier erhalten geblieben sind. Insgesamt sind in Bezirk Kargopol mehr als 200 Denkmäler der Holz- und Weißmauer-Architektur erhalten geblieben, die heute unter dem Schutz des Staates stehen, darunter sind auch 37 Denkmäler von Bundesbedeutung.
Das Kargopoler Land ist schon immer durch sein Kunsthandwerk bekannt gewesen. Die Blütezeit der Volkshandwerke war im XVI.-XVII. Jahrhundert und hatte sich in nachfolgenden Jahrhunderten weiterentwickelt. Hier arbeiteten Ikonenmaler und Silberbriefe, Kupfergießer und Holzschnitzer. Kargopol war auch ein Zentrum der Goldstickerei (Ikonenrahmen und Priestergewänder sowie andere Kirchengegenstände werden in dieser aufwendigen Technik angefertigt). Auf der ganzen Welt ist Kargopoler Tonspielzeug, in welchem vorchristliche Symbole und Bräuche weiterleben.
Die gut erhaltenen Kulturlandschaften, einmalige Denkmäler der Kunst und Architektur sowie das unglaublich reiche archäologische Erbe sind Gründe gewesen, Kargopol in die Liste der kleinen historischen Städte Russlands sowie in das Regierungsprogramm zur «Erhaltung und Entwicklung der Architektur aufzunehmen».
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