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Die allgemein anerkannte Hauptstadt des Russischen Nordens – Archangelsk ist nach dem Entwurf und Plan gegründet worden, welchen Iwan der Schreckliche 1584 unterzeichnet hatte. Ihren Namen bekam die «Holzstadt auf der Halbinsel Pur-Navolok» von dem Männerkloster des Erzengel Michael, welches dort seit dem XII. Jahrhundert bestand. 1583 befahl der Zar seinen Wojwoden (Heeresführer und Verwalter) an die Dwina zu gehen und dort eine große Stadt zu bauen. Mit diesem Stadtbau vervollständigte das russische Reich sein Verteidigungssystem, welches die Sicherheit des Seehandels gewährleisten sollte. Der ursprüngliche Name der Stadt war Nowye Cholmogory und spielte bis ins XVII. Jh hinein eine wichtige Rolle im Seehandel und somit im Wirtschaftsleben Russlands.
Archangelsk ist historisch der erste russische Handelshafen, das «Seetor Russlands», welches den Russen den Handelsweg nach Europa eröffnete. Archangelsk ist historisch bekannteste Stadt im Russischen Norden. Seit Menschengedenken baute man hier Schiffe und hier wurde auch zum ersten Mal die dreifarbige russische Fahne am Mast eines Handelsschiffes gehisst. Archangelsk war der Anfangspunkt der legendären Reise Peters des Großen, welche mit der Gründung der «Burg Peters» im Delta der Newa endete. Archangelsk zog russische Kaufleute und ihre europäischen Kollegen in Mengen an.
Ausländische Kaufleute brachten mit ihren Schiffen Satin aus Amsterdam, Samt aus Venedig, feines Zwirn aus London, Decken aus Danzig nach Archangelsk und nahmen auf ihre Rückreise Speck, Bienenwachs, Mastbäume, Flachs und Hanffaser (für die weltbesten Seile) mit. Ihre Häuser und Lagerhäuser errichteten die ausländischen Kaufleute mit Vorliebe auf der «Kröteninsel» («Schabij Ostrow»), wo heute Popova- und Loginowa-Straßen liegen. Hundert Jahre nach der Gründung wurde der riesige Kaufhof («Gostiny Dwor») zum Wahrzeichen der Stadt, welches alle Kaufleute in Russland und Europa gekannt hatten.
1693 besuchte der damals noch junge Zar Peter I. Archangelsk und gründete auf der Insel Solombala eine Schiffswerft, wo 1694 das erste russische Handelsschiff «St. Paul» vom Stapel ging. Im selben Jahr besuchte Peter I. die Stadt zum zweiten Mal, um hier den Monopolhandel mit den wichtigsten Exportgütern zu etablieren, welcher bis zum Jahr 1719 Bestand hatte.
Die damaligen Kriegszustände zwischen Russland und Schweden und die Manöver der schwedischen Flotte im Weißen Meer brachten Peter I. dazu, die Stadt mit Burgbauten zu befestigen. Im Mai 1701 begann auf seinen Befehl der Bau der Burg in Nowodwinsk. Die Burg sollte weiter flussabwärts von der Insel Solombala in der Mündung der Nord-Dwina errichtet werden, um Archangelsk von einem Angriff vom Meer zu schützen, und schon am 25. Juni 1701 nahm die Burg ihre erste Seeschlacht gegen das schwedische Geschwader an. Das Gefecht endete mit dem ersten russischen Sieg über schwedische Armee auf See. 1702 machte Peter I. Archangelsk zur Kreishauptstadt, und 6 Jahre später zur Hauptstadt des Gouvernements. Er war derjenige, der den Wappen der Stadt absegnete, welcher Erzengel Michael über den Teufel triumphierend darstellt. Als Erinnerung an die großen Verdienste bei der Entwicklung der ganzen Region errichtete man im Herzen von Archangelsk unweit vom historischen Kaufhof (Gostiny Dwor), ein Denkmal Peters des I. Der Entwurf des Denkmals stammt vom prominenten Bildhauer der zweiten Hälfte des XIX. Jahrhunderts M. Antokolsky. Die lebensgroße Bronzestatue stellt gleichzeitig ein lebendiges Abbild von Peter dar und symbolisiert die Größe des russischen Reiches. Auf dem Granitsockel des Denkmals sind vier Daten eingraviert – 1693, 1694, 1702 und 1911, wovon die ersten drei die Besuche Peters in Archangelsk kennzeichnen und das letzte Datum das Eröffnungsjahr des Denkmals markiert.
Viele Jahrhunderte lang fuhren die tapferen Pomoren auf die See hinaus, in den hohen Norden, in die arktischen Meere, um Fisch und Meerestiere zu jagen. Die Pomoren waren es, die die Inseln Kolgujew, Wajgatsch, Nowaja Semlja und Spitzbergen entdeckten.
Archangelsk wird nicht von ungefähr als «das Tor zur Arktis» bezeichnet. Von hier aus brachen die Polarexpeditionen von Tschitschagow, Russanow, Sibirjakow, Sedow, Pakhtussow und Littke zu ihrem gefährlichen Ziel – dem Nordpol – auf. Hier in Archangelsk wurde das erste russische Forschungsschiff «Perseus» gebaut, welches Polarmeere erkunden sollte und die ersten Expeditionen in die Kara-See einläutete. Die ersten Flüge zur Versorgung der Expeditionen machten den Anfang für den Polarflugverkehr.
1932 schaffte es der Eisbrecher «Sibirjakow» es zum ersten Mal in der Geschichte, innerhalb einer Navigation (eisfreien Zeit auf dem Meer) den gesamten Seeweg Nord (Murmansk-Wladiwostok) zurückzulegen. Von Archangelsk aus startete auch die letzte Polarexpedition der berühmten Vier – Iwan Papanin, Otto Schmidt, Wladimir Wiese, Rudolph Samojlowitsch, W. Woronin, welche zur Gründung der ersten im Eis driftenden Forschungsstation auf der Welt führte.
Während des Zweiten Weltkrieges befand sich in Archangelsk die Hauptbasis der Weißmeer-Militärflotille. Genauso wie auch im Ersten Weltkrieg wurde Archangelsk zum Haupthafen, über welchen Land-lease Hilfe aus Europa und Amerika nach Russland geleitet wurde.
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